Anti-Pollution in der Hautpflege

19

Jun

Antipollution

«Urban Aging Defense Serum», «City Defense Crème», «UV Plus Anti-Pollution Day Cream»…. Solche Claims auf neu eingeführten Pflegeprodukten zeigen, dass die Kosmetikindustrie auf die zunehmende Luftverschmutzung und deren negative Auswirkungen auf die Haut reagiert.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass negative Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung, UV-Strahlung und Ozon unsere Gesundheit beeinflussen und unsere Haut schädigen, beziehungsweise vorzeitig altern lassen. Vor allem in Städten ist die Belastung durch Abgase, industriellen Smog, Klimaanlagen und Ozon hoch, was das natürliche Gleichgewicht der Haut schwächt. Der Haut wird Feuchtigkeit entzogen, sie wirkt fahl und blass und altert vorzeitig. 

Diskutiert man über das Thema Anti-Pollution Pflegeprodukte für den europäischen Markt stehen häufig zwei zentrale Fragen im Mittelpunkt:

Hat der auf dem asiatischen Markt so populäre Anti-Pollution Claim auch für Europa eine wirtschaftliche Bedeutung?
Gibt es eine wissenschaftliche Relevanz für die Verwendung von Anti-Pollution Kosmetik? 

 

Europäische Relevanz des Anti-Pollution Claims

Die erste Frage nach der europäischen Relevanz lässt sich positiv beantworten. Die Analyse des europäischen Markts, zeigt speziell für Deutschland eine stetig zunehmende Anzahl an Produkteinführungen mit der Anti-Pollution Auslobung. Die führenden europäischen Länder mit Hautpflegeprodukte mit dem Anti-Pollution Claim sind England, Frankreich und an dritter Stelle Deutschland. Seit dem Jahr 2013 steigt die Anzahl der Neueinführungen von Anti-Pollution in Deutschland (1).        

Beim Vergleich von Kosmetikprodukten aus Asien und Europa fallen jedoch einige deutliche Unterschiede auf. In Asien findet man vermehrt Produkte, bei denen der Anti-Pollution Claim als einzige Auslobung auf der Verpackung platziert ist. Es handelt sich häufig um Produkte, welche Schadstoffe, speziell Feinstäube, abwehren sollen.

Eine zweite wichtige Richtung bei Anti-Pollution Produkten ist die vorzeitige extrinsische Hautalterung, welche durch den modernen urbanen Lebensstil (das stressige Leben und Umweltverschmutzungen in der Großstadt) begünstigt wird. Im Gegensatz zum nicht geschützten Begriff des Photoagings (Lichtalterung), wurde der Begriff “Urban Aging™“ bereits als Handelsname geschützt (2).

Bei asiatischen Produkten ist weiterhin auffällig, dass Begrifflichkeiten wie z.B. PM 2,5 auf den Verpackungen zu finden sind. PM 2,5 ist die Abkürzung für Feinstaub (particulate matter=PM) mit einer Größe von maximal 2,5 µm. Dies bedeutet, dass die Kosmetikhersteller davon ausgehen, dass der durchschnittliche asiatische Kosmetikkonsument über Umweltverschmutzungen aufgeklärt ist und solche Fachbegriffe zuordnen kann. 

Verschafft man sich einen Überblick über die in Europa eingeführten Produkte mit einem „Anti-Pollution“ Claim, fällt zum Einen auf, dass es sich bisher hauptsächlich um Produkte für das Gesicht und den Hals handelt, und zum Anderen, dass in der Regel die Produkte den Anti-Pollution Claim nicht als einzige Auslobung tragen. Zusätzliche Werbeauslobungen von Anti-Pollution Produkten, welche 2016 in Europa neu eingeführt wurden (3): 

  • Pflanzlich
  • Anti-Aging
  • Feuchtigkeitsspendend
  • Schutz vor Elementen
  • Hautausstrahlung / Teint
  • Antioxidant
  • Dermatologisch getestet
  • Reduktion von feinen Linien
  • Falten
  • Parabenfrei
  • Long-Lasting

 

Wissenschaftliche Relevanz von Anti-Pollution Produkten in Europa

Die Frage, ob Anti-Pollution Kosmetik ein vorrübergehender Modetrend ist oder ob es eine wissenschaftliche fundierte Existenzberichtung für solche Produkte gibt, wird zurzeit intensiv diskutiert.

Während es vor 100 Jahren kaum Untersuchungen zum schädlichen Einfluss von Sonnenlicht auf die Haut gab, stellt heute diesen Zusammenhang keiner mehr in Frage. Eine Vielzahl von Studien zu den schädigenden Eigenschaften von UV Licht auf die Hautzellen die bis dato veröffentlicht wurden, dokumentieren im Detail die negativen Eigenschaften. 

Die Haut ist mit einer Fläche von ca. 1,5 bis 2 Quadratmetern das größte Organ des menschlichen Körpers und die erste Kontaktfläche für alle Umweltreize.

Neben den durch die Kosmetikbranche selbstinitiierten Untersuchungen gibt es mittlerweile auch eine wachsende Anzahl von Beobachtungen durch universitäre Forschungsgruppen über die Auswirkungen von Umweltschadstoffen auf die Haut. 

In früheren Analysen ging man nur von einem indirekten Einfluss von Umweltverschmutzungen auf die Haut aus. Durch das Einatmen von lungengängigen kleinen Partikeln, welche durch die Lungenbläschen in das Blut gelangen, können bei längerer Exposition chronische Entzündungsprozesse ausgelöst werden (SI: Systemic inflammation). Neuste Untersuchungen zeigen, dass diese auch zu einer negativen Beeinflussung der Hautfunktion, z.B. atopische Dermatitis, führen können (4). 

Neuere Veröffentlichungen zeigen, dass eine transepidermale Absorption von Luftschadstoffen durch die Haut angenommen werden kann (5). Mittlerweile sind Rezeptoren identifiziert worden, welche durch Luftverschmutzung vermehrt in Keratinozyten aktiviert werden und zu einer atopischen Dermaitis führen können (6). 

 

Was versteht man unter Staub, Feinstaubpartikel und Luftschadstoffe?

Stäube gehören zu den traditionellen Luftschadstoffen. Typischerweise werden unter Staub die großen sichtbaren und festen Partikel, wie sie im Hausstaub oder Straßenstaub vorliegen, verstanden. Jedoch kommen auch sehr viel winzigere Staubteilchen vor. Für diese kleinen mit bloßem Auge nicht sichtbaren Feinstaubteilchen wird häufig der Ausdruck Feinstaubpartikel gebraucht. 

Solche Feinstaubpartikel liegen in der Atmosphäre als Bestandteile von Aerosolen vor. Als Aerosol wird ein Gemisch bestehend aus Luft sowie festen und flüssigen Schwebeteilchen bezeichnet. Die im Aerosol enthaltenen Feinstaubpartikel sind sowohl in Form und Größe als auch in ihren Inhaltsstoffen verschieden (7). 

Feinstaub steht für die Verschmutzung der Atmosphäre durch feine Partikel. Unter Feinstaub versteht man Luftschadstoffe unter einem bestimmten Durchmesser (<2,5 oder <10 μm). Es ist eine Mischung aus organischen, anorganischen und biologischen Materialien verschiedener Größen und Formen. 

Weitere toxische Substanzen (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, PAHs) sind an die Feinstaubpartikel gebunden. Durch den Feinstaub wird in den Zellen oxidativer Stress durch ROS (Reaktive Sauerstoff Spezies) induziert. Weitere Schadstoffe in der Luft sind:

  • Nitrogenoxid
  • Flüchtige organische Verbindungen (Volatile Organic Compounds, VOC)
  • Pestizide
  • Ozon
  • Schwermetalle
  • Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs)
  • Stickoxid
  • Schwefeldioxid

 

Vielleicht wird es in 100 Jahren auch keinen Zweifel mehr an den schädlichen Einfluss von Umweltverschmutzungen auf die Haut geben, da intensivere wissenschaftliche Untersuchungen mit interessanten Ergebnissen erst seit den letzten Jahren mehr und mehr zu Verfügung stehen. 

Literaturangaben:

(1) Mintel Group Ltd. Analyse nach Europa, Anti-Pollution, Skin Care; Die Ergebnisse sind die Anzahl der neuen Produkte in Europa mti dem Claim Anti-Pollution; ausgewählte Jahre 2013-2016).
(2) Amorepacific Group; Marke: IOPE
(3) Mintel
(4) Influences of Environmental Chemicals on Atopic Dermatitis, Kwangmi. Toxicol Res. 2015 Jun; 31(2): 89–96.
(5) Lademann, et al. 2004; Penetration of microparticles into human skin; Hautarzt 55, 1117–1119; doi: 10.1007/s00105-004-0841-1 ;C.J. Weschler et al. Transdermal uptake of diethyl phthalate and Di(n-butyl) phthalate directly from air: Expe; Weschlerrimental verification. Environmental Health Perspectives. Vol. 123, October 2015, p. 928. doi: 10.1289/ehp.1409151.; Air pollutants enter body through skin; For some semivolatiles such as phthalates, dermal uptake can at least match entry via lungs; By Janet Raloff , October 13, 2015.
(6) The aryl hydrocarbon receptor AhR links atopic dermatitis and air pollution via induction of the neurotrophic factor artemin, Nature Immunology  18, 64–73 (2017); Takanori H. et. al.
(7) Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie

Leslie Schlüter

Senior Product & Sales Manager

Während meines Studiums der Biologie hätte ich niemals gedacht, im Sales und in der Personal Care Branche zu landen. Aber wie das Leben nun mal so spielt, hat sich das vor etwa 7 Jahren ergeben, ich habe noch ein BWL-Aufbaustudium hinterhergeschoben, und die Mischung aus wissenschaftlichem Inhalt (Anti-Pollution, Mikrobiom, Epigenetik…) und Verkauf macht mir wahnsinnigen Spaß. Seit November 2017 bin ich für die IMPAG in Deutschland tätig.

 

Mein größtes Hobby mit Sicherheit Essen…und Sport (Joggen, Schwimmen, Radfahren, Tauchen…), um ersteres ohne schlechtes Gewissen frönen zu können. Da ich nicht gerne koche, übernimmt dies mein Mann für mich.

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