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Die Herausforderung eines natürlichen Öls

11

Sep

Palmöl als Herausforderung

Palmöl steht immer wieder stark in der Kritik. Als das am häufigsten verwendete Öl der Welt findet es sich in verschiedensten Verbraucherprodukten – von Margarine, über Fertigspeisen, Süssigkeiten bis hin zu Kosmetik und Waschmitteln. Doch was macht Palmöl eigentlich so interessant für die Kosmetik? Braucht es Alternativen, um der stetig wachsenden globalen Nachfrage entgegen zu wirken oder reicht es, konsequent auf die Herkunft des eingesetzten Palmöls zu achten?

Der Hauptgrund der Kritik rund um das Thema Palmöl ist die weltweit stark wachsende Nachfrage, die dazu führt, dass für Palmölplantagen in grossem Stil tropische Wälder gerodet werden und zahlreiche Arten so ihre Lebensgrundlage verlieren. Durch die Brandrodung und die Trockenlegung von Torfwäldern werden zudem grosse Mengen an Treibhausgasen wie Kohlenmonoxid und Methan freigesetzt. Wo neue Plantagen entstehen, kommt es oft auch zu sozialen Konflikten hinsichtlich der Landnutzung. 
 

Vielseitig einsetzbar, ertragsreich, preiswert

Eine Studie zu Palmöl aus Deutschland von 2017 zeigt, dass mehr als die Hälfte des Verbrauches von Palmöl in den Energiesektor fliessen (rund 52%). Weitere 22% werden in der Lebensmittelindustrie verarbeitet. Danach folgen die Futtermittelindustrie und sonstige Chemie/Pharmazie. Das Schlusslicht bildet die Wasch-, Pflege- und Reinigungsindustrie und die Kosmetik mit einem Verbrauch von knapp 3%. Im Vergleich zu 2015 ist der deutschlandweite Palmölverbrauch um rund 7% gestiegen (1). 

Palmöl lässt sich also aus der heutigen Gesellschaft kaum mehr wegdenken. Für das Erntejahr 2018/19 prognostiziert die USDA einen weltweiten Palmölverbrauch von 68.65 Millionen Tonnen (2). 

Dieser Boom hat seinen Grund: Die mehrjährige Ölpalme ist eine sehr ertragreiche Pflanze, deren Ernte das ganze Jahr über möglich ist. Zudem kann mit Ölpalmen auf derselben Fläche viel mehr Öl produziert werden als mit anderen Ölpflanzen. So benötigt man für Öl aus Raps zum Beispiel eine zwei- bis dreimal so grosse Fläche für dieselbe Menge an Öl. 
 


Der Ertragsreichtum im Vergleich mit anderen Ölpflanzen macht die Ölpalme zu einer ressourcensparenden und lukrativen Lösung.
Das  führt dazu, dass nicht nur in Indonesien oder Malaysia neue Plantagen entstehen, sondern auch in anderen Tropenländern wie Kolumbien, Nigeria oder Papua Neuguinea. All diese Länder wollen vom Palmöl-Boom profitieren, was für Natur und Mensch teils problematische Folgen hat. 
 

Doch was macht Palmkernöl so interessant für den Einsatz in Kosmetikprodukten?

Die Öle der Ölpalme lassen sich in Palmöl und Palmkernöl unterscheiden. Dabei wird Palmöl aus dem Fruchtfleisch und Palmkernöl aus dem Kern der Frucht gewonnen. Die beiden Öle weisen unterschiedliche C-Kettenverteilungen auf, was für verschiedene Eigenschaften im Endprodukt sorgt. Während für die Lebensmittelindustrie überwiegend Palmöl zum Einsatz kommt, wird in der Kosmetikindustrie grösstenteils das Palmkernöl verwendet. 

So verfügt Palmkernöl, verglichen mit anderen Pflanzenölen, über einen sehr hohen Anteil an C12 und einen moderaten Anteil an C 14 und C 18 Kohlenstoffketten. Diese C-Kettenverteilung verleiht Palmkernöl hervorragende chemische Eigenschaften für Kosmetikprodukte: Während mittellange Ketten für schäumende Effekte sorgen, sind die kurzen Ketten perfekt für die feuchtigkeitsspendende und glättende Wirkung (3). 

Häufig wird Palm(kern)öl von Kosmetikherstellern nicht direkt eingesetzt, sondern in Form von Derivaten wie zum Beispiel Glyceryl-, Sucrose- oder Ascorbyl-Palmitaten. Diese kommen in der Formulierung als natürliche Emulgatoren, Konsistenzgeber und Stabilisatoren vor. 

All diese Aspekte und Eigenschaften machen Palm(kern)öl zu einem attraktiven, nachwachsenden Pflanzenöl, nicht nur für die Kosmetikindustrie. 
Wie lässt sich mit der wachsenden Nachfrage Schritt halten und dennoch die Umwelt schützen und die Rechte der einheimischen Bevölkerung respektieren? Soll Palmöl durch andere Pflanzenöle ersetzt werden?
 

Nachhaltigkeit als Wegweiser 

Gemäss WWF wird empfohlen, gezielt auf den ausschliesslichen Einsatz von nachhaltigem Palm(kern)öl aus kontrolliertem Anbau zu setzen (4).  Nachhaltigkeit baut gemäss dem 3-Säulen-Modell nicht nur auf Ökologie auf, sondern auch auf ökonomischen und sozialen Aspekten.
 


Die Ölpalme ist, wie bereits oben beschrieben, äusserst ertragreich. Um Palm(kern)öl zu ersetzen, müssten deutlich grössere Flächen mit anderen Ölsaaten bepflanzt werden – dies mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

Ökologisch und ökonomisch gesehen ist also die Ölpalme die bis dato nachhaltigste Lösung. Soll die Ölpalme auch bezüglich sozialen Aspekten nachhaltig sein, muss die Art und Weise wie es produziert wird in Betracht gezogen werden. 

Ein Fortschritt in Bezug auf die Nachhaltigkeit ist das im Jahr 2004 gegründete Zertifizierungsverfahren des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO). 
 

Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl

Der «Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl» (RSPO) ist eine Non-Profit Organisation, die die folgenden 7 Interessengruppen aus der Ölindustrie vereint: Ölproduzenten, verarbeitende Unternehmen oder Händler, Hersteller von Konsumgüter, Banken/Investoren, sowie umweltpolitische - und soziale NGOs. 

Der RSPO hat sich zum Ziel gemacht, den nicht verantwortungsvollen Anbau von Ölpalmen und die damit zusammenhängenden Umweltauswirkungen, wie die Zerstörung von Lebensräumen durch Brandrodung oder Emissionen von Treibhausgasen, zu verringern.

Um dies zu erreichen hat der RSPO eine Reihe von umweltpolitischen und sozialen Kriterien erarbeitet, die Unternehmen erfüllen müssen, um zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl (CSPO) und Palmkernöl (CSPKO) herzustellen (5). 



Palm Oil Innovation Group – Eine Weiterführung des RSPOs

Nebst dem Zertifizierungssystem RSPO haben sich einige Unternehmen u.a. mit Greenpeace und dem WWF in der «Palm Oil Innovation Group» zusammengeschlossen. 

Die Palm Oil Innovation Group (POIG) konzentriert sich auf

  • die Unterstützung des RSPO, indem sie auf RSPO-Standards und -Verpflichtungen aufbaut und sowohl Innovationen zur Umsetzung bestehender RSPO-Standards, als auch zusätzliche kritische Themen aufzeigt.
  • die drei Themenbereiche Umweltverantwortung, Partnerschaften mit Gemeinden einschliesslich Arbeitnehmerrechten, sowie Unternehmens- und Produktintegrität.
  • die Entwicklung von Innovationen in der Palmölindustrie und die Förderung dieser Innovationen (6).


«Die «Palm Oil Innovation Group» macht deutlich, dass sie den RSPO als Grundlage nutzen, aber freiwillig weitere Zusatzanforderungen umsetzen», so Silvia Imken von Börlind.
Ihr zufolge ist dies ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, jedoch bestehe nach wie vor das Problem, dass grosse Mengen des zertifizierten Öls überhaupt nicht gekauft werden. «Nur durch gemeinsames und aktives Vorgehen, also weitere Mengen zertifizierten Öls überhaupt zu kaufen, wird es möglich sein, die Produzenten zu weiteren Verbesserungen zu bewegen», meint Silvia Imken im Interview mit NaturkosmetikCamp.com (7). 

 

Zertifizierungspraktiken als Fortschritt 

Das Thema Palmöl ist sehr komplex und vielschichtig und trotz der genannten Herausforderungen ist der Anbau der Ölpalme nicht grundsätzlich schlecht. 

Wie beschrieben ist das Ausweichen auf andere Ölpflanzen aufgrund der geringeren Ertragskraft keine Alternative, sondern würde das Problem nur verlagern beziehungsweise verschlimmern. Soja und Kokosnuss beispielsweise wachsen in den gleichen oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen, wobei zudem für ihren Anbau mehr Fläche benötigt würden.

Das wichtigste europäische Pflanzenöl, das Rapsöl, könnte die steigende globale Nachfrage nach Pflanzenölen nicht decken. Eine gute Flächenleistung ist angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des wirtschaftlichen Wachstums der Verbraucherländer eine wichtige Voraussetzung, um der steigenden Nachfrage nach Pflanzenölen begegnen zu können. 

Zertifizierungen wie die des RSPO, sowie auch die Unterstützung von Kleinbauernprojekten sind ein Fortschritt in Richtung Nachhaltigkeit. So leben in Indonesien hunderttausende Kleinbauern von den Einkünften aus Ölpalmplantagen und haben so vor Ort die Chance auf mehr Bildung und etwas Wohlstand.
Durch den Einsatz von zertifiziertem Palm(kern)öl können Kosmetikhersteller einen Teil dazu beitragen in den Anbaugebieten umweltgerechte und soziale Methoden zu fördern. 

Doch auch der private Verbraucher kann etwas tun: Kaufverzicht von Fertigprodukten, Bevorzugung von Nahrungs-, Pflege- und Reinigungsprodukten, die zertifiziertes Palm(kern)öl enthalten, sowie ein bewusster Lebensstil trägt zur Verbesserung der Situation im Palmölsektor bei.  


Literaturangaben: 

  1. www.forumpalmoel.org/imglib/Palmoelstudie%202017_Meo_FONAP_ho.pdf
  2. de.statista.com/statistik/daten/studie/443033/umfrage/konsum-von-palmoel-weltweit/
  3. www1.basf.com/magazine/issue-7/article.the-palmoil-challenge.de.html
  4. www.wwf.ch/de/unsere-ziele/palmoel
  5. www.rspo.org/about
  6. poig.org
  7. www.naturkosmetikcamp.com/2017/12/palmoel-naturkosmetik-herkunft-alternative-nachhaltigkeit-interview-silva-imken-boerlind/

     

Claudia Dür

Social Media Manager

Geschichten – Natur – Bewegung. Diese drei Worte haben in meinem Leben die grösste Bedeutung.

Als leidenschaftliche Kommunikatorin bin ich bei der IMPAG für den Bereich Social Media zuständig. Zudem schreibe ich verschiedenste Inhalte für unsere Kommunikationsaktivitäten im Bereich Personal Care. Ich liebe Geschichten, einen konstruktiven Austausch, offene Gespräche sowie die Arbeit im Team. In meiner Freizeit trifft man mich und meine Familie stets in Bewegung, sei es bikend, kletternd, wandernd in den Bergen oder surfend in den Wellen des Atlantiks.

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