Mikroplastik Dictionary

27

Sep

Mikroplastik Kosmetik

Die öffentliche Wahrnehmung und Ablehnung von Plastikabfällen in Meeren, Flüssen und Natur hat sich in den letzten Jahren stark akzentuiert. Der Ursprung der Plastikabfälle in der Natur ist sehr vielfältig und primär nicht auf Kosmetika zurück zu führen. Dennoch stehen diese sehr stark unter Beobachtung. 

Zu Beginn hat sich der Druck hauptsächlich auf synthetische Abrasiva in Peeling- und Dusch-Formulierungen fokussiert, mittlerweile werden vereinzelt auch wasserlösliche Polymere («Flüssig-Plastik») in Frage gestellt. Rohstofflieferanten, Kosmetik-Produzenten und Konsumenten-Organisationen sind sich nicht immer einig, was unter dem Begriff Plastik beziehungsweise Mikroplastik zu verstehen ist und ob entsprechende Rohstoffe in Kosmetika enthalten sein sollen. Die Kosmetikindustrie hat hier unlängst Stellung bezogen, auf regulatorischer Ebene gibt es aber bisher keine einheitliche Definition in der EU. Letzteres wird nun von der ECHA (European Chemicals Agency) in Angriff genommen.

Cosmetics Europe – Die Sicht der «Industrie»

Die europäische Dachorganisation der Kosmetikverbände, Cosmetics Europe, hat seinen Mitgliedern bereits 2015 empfohlen, bis 2020 auf den Einsatz von synthetischen Peeling-Partikeln in Rinse-off-Kosmetika zu verzichten. Was versteht Cosmetics Europe unter Mikroplastik beziehungsweise -Kügelchen?

(1)

Die Begrifflichkeiten seitens Cosmetics Europe decken sich mit den bisherigen Bestrebungen und Definitionen einzelner EU-Länder oder den USA («The Microbead-Free Waters Act»).

ECHA sucht gesamtheitliche Lösung für EU

Das Fehlen einer Europäischen Gesetzgebung hat einige EU-Länder bereits dazu veranlasst, auf nationaler Ebene Mikroplastik-Partikel in «Rinse-Off»-Kosmetika zu regulieren. Auf gesamteuropäischer Ebene prüft die ECHA aktuell, ob ein Bedürfnis für ein Verbot von verwendeten Mikroplastik-Partikeln notwendig ist. Unter diese Partikel können auch kosmetische Kunststoff-Partikel fallen. In einem ersten Schritt hat die ECHA hierfür eine Definition des Mikroplastik-Begriffes erarbeitet. Die vorläufige Definition von Mikroplastik («working definition») hierzu lautet:

«any polymer, or polymer-containing, solid or semi-solid particle having a size of 5 mm or less in at least one external dimension” (2)

Damit ein Partikel unter diese Definition fällt, müssen alle erwähnten Kriterien erfüllt werden. Prinzipiell kann die Definition in 4 Kriterien aufgeteilt werden:

  1. Die Substanz: Hier wird der Begriff «Polymer» verwendet, da dieser in der REACH-Verordnung definiert ist, während dies für «Plastik» beispielsweise nicht der Fall ist. Die Definition unterscheidet nicht zwischen natürlichen und synthetischen Polymeren, erstere werden von der Definition jedoch per se ausgeschlossen.
  2. Physischer Zustand (fest, flüssig)
  3. Morphologie («Partikel-Form»)
  4. Grösse des Partikels

 

In der Praxis können dann beispielsweise nachfolgende Rohstoff-Gruppen charakterisiert werden:

(3)

Gemäss obiger Kriterien können Substanzen unter die Mikroplastik-Definition fallen oder auch nicht. Die Etablierung einer Definition bildet die Grundlage für weiterführende Diskussionen. Von grösserer Bedeutung sind dann nachgeschaltet Massnahmen, welche für Mikroplastik-Substanzen in Frage kommen. Hier gilt Mikroplastik ≠ Mikroplastik. Bei welchen Mikroplastik-Substanzen ist hauptsächlich Vorsicht geboten? Für die Beantwortung dieser Frage sieht die ECHA nachfolgende Prüffragen vor:

  • Ist die Substanz zum Zeitpunkt der Anwendung ein Mikroplastik?
  • Gelangt der Mikroplastik während der Anwendung in die Umwelt? 
  • Ist der Mikroplastik schwer abbaubar in der Natur («persistent»

Substanzen, die alle drei Kriterien erfüllen sind von besonderem Interesse und sind daher primär Gegenstand weiterer Abklärungen (und allenfalls Restriktionen). Bis im Januar 2019 möchte die ECHA die Untersuchung bezüglich. Identifikation und potentieller Restriktion von Mikroplastik abschliessen.


Literatur:

Blogautor Regulatorisches

Patrick Schweizer

Product & Sales Manager

Game, Set, Match! – heisst es ganz zuletzt. Bis man jedoch dahin kommt, muss Punkt für Punkt durch gekämpft werden. Dies ist vermutlich die einzige Parallele zwischen meiner Leidenschaft für den Tennissport und der Hingabe zu kosmetischen regulatorischer Themen. Die Vielfalt kosmetischer Rohstoffe bietet eine riesige Spielwiese für regulatorische Themen und Problemstellungen, die oftmals Herausforderung und Chance zu gleich darstellen. Als leidenschaftlicher Kosmetik-Chemiker freue ich mich natürlich auf viele neue regulatorische Abenteuer! 

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