Less is more – Wie viel brauchen wir?

9

Apr

Wie viel brauchen wir?

In jüngster Zeit zeigt sich in der Kosmetikindustrie ein Trend zur Reduktion. Diese Tendenz hin zum Minimalismus erinnert an die Entwicklung in der Mobilfunkindustrie. 

Im August 1996 wird von Nokia das erste Smartphone  auf den Markt gebracht, der Nokia 9000 Communicator. Das Telefon hatte Zugang zum Internet inklusive Webbrowser und konnte Emails sowie Faxe senden und empfangen. Das Gerät war zur damaligen Zeit sehr teuer und klobig. Anfang der 2000er Jahre schließlich wurden mehr Smartphones verkauft, darunter vom damaligen Pionier BlackBerry. 


Gemeinsam war, dass sie auf Emails und Internet ausgelegt waren – und eine Unmenge Tasten hatten. 2007 wurde dann das erste iPhone vorgestellt. 

 

„Einfachheit ist nicht nur ein visueller Stil. Sie bedeutet nicht einfach nur Minimalismus oder dass etwas nicht überladen ist. Einfachheit heißt, sich durch die Tiefen der Komplexität hindurchzuarbeiten. […] Man muss das Wesen eines Produkts ganz und gar verstehen, damit man in der Lage ist, die nicht wesentlichen Teile loszuwerden.“

Jony Ive – Ehemaliger Chef-Designer bei Apple


Durch den großen Touchscreen konnte auf fast alle Tasten verzichtet werden, das zentrale Steuerelement bestand nur noch aus einer einzigen Taste auf der Vorderseite. Es war einfach und intuitiv zu bedienen und überzeugte so eine breite Masse an Konsumenten. Die ursprünglichen Pioniere wie Nokia und Blackberry hatten hierauf keine Antwort. Deren Schicksal ist bekannt.

Das minimalistische Design der kalifornischen Technologiefirma wurde zum Standard aller Smartphones.
 

Wiederholt sich dieser Wandel in der Welt der Kosmetik?

Früher verwendeten die Menschen einfache Kosmetikprodukte bzw. Hausmittel, um Ihre Haut zu pflegen. Mit der Zeit wurde die Zusammensetzung kosmetischer Produkte umfangreicher. Da Langzeitwirkungen vom Kunden nicht immer wahrgenommen werden, war ein Soforteffekt für den Erfolg eines Produktes enorm wichtig. Ein Pflegeprodukt muss gut riechen, sich gut anfühlen, schnell einziehen und lange haltbar sein. Dies führte dazu, dass immer mehr teils zweifelhafte Zusatzstoffe Verwendung fanden, die aber selbst keinen direkten Nutzen für die Haut haben. 

So gibt es Produkte, in denen mitunter über 80 deklarationspflichtige Inhaltsstoffe aufgeführt sind. Verwendet man bei der täglichen Pflege nebst Cremes noch Seren, Makeup und Reinigungsprodukte (welche gerne zwischen 20 und 30 Stoffe beinhalten), kommt die Haut mit einer Vielzahl an Inhaltsstoffen in Kontakt. Der Trend des Multi-Layerings erhöht deren Anzahl schnell auf über 100 verschiedene Stoffe. Dieses Bombardement durch verschiedenste Anwendungen führt zu einer übermäßigen Pflege sowie zu einer zu starken Reinigung der Haut. 

Die natürliche Hautbarriere mit ihrem Schutzmantel, der uns vor Umwelteinflüssen und Austrocknung schützen soll, kann extrem geschwächt werden. In der Folge wird die Haut empfindlich, es kann zu Irritationen kommen, Allergien und Ekzeme können entstehen.
 

Der Trend zur Reduktion


Auch in der Kosmetik ist weniger oft mehr.
In der letzten Zeit entwickelt sich ein Trend in Richtung Minimalismus. Ähnlich den Tasten der ersten Smartphones ergeht es nun den Inhaltsstoffen der Kosmetika. 

Angefangen hat es mit Auslobungen, was im Produkt NICHT enthalten ist, etwa Silikone und Parabene in Cremes oder Aluminiumsalze in Deodorants. Mittlerweile wünschen sich viele Menschen einfachere und ehrliche Produkte. 

Kunden sind bewusster geworden und prüfen vermehrt die Inhaltsstoffe mittels spezialisierten Apps und Portalen im Internet. 
 

„Die Zeit, in der man alles glaubte, was Marken versprechen, ist vorbei. Heute wünscht man sich Transparenz.“

Marion Thürig, Marketing Director Schweiz von Vichy, La Roche-Posay und Roger & Gallet beim Beauty-Giganten L’Oréal


Auf das Wesentliche reduzierte Pflegeprodukte spielen hierbei eine große Rolle und beeinflussen die Kaufentscheidung. Dabei kommt es für den Erfolg eines Produktes nicht nur darauf an, wenige Inhaltsstoffe zu verwenden, es ist ebenso wichtig, die richtigen Stoffe zu wählen. Nur so kann sich die Haut des Konsumenten erholen und ihre natürliche Schutzschicht regenerieren. 

Oft wird der Verzicht auch mit einer Verwendung natürlicher Substanzen vereint, wie etwa pflanzlichen Extrakten oder erlesenen Ölen. 

Es sind oftmals, jedoch nicht ausschließlich, kleine Firmen mit Start-up Charakter, die sich ganz auf den sparsamen Umgang mit Rohstoffen eingestellt haben. Ihr Fokus liegt hier auf der Vermittlung einer Lebenseinstellung und umfasst einen überzeugenden Internetauftritt inklusive Marketing mit Instagram und ohne professionellen Models. Es werden ehrliche und nahbare Bilder verwendet. Das Verpackungsdesign ist einfach und klar, sodass die Verzichtslogik des Inhaltes auch auf die Verpackung und das Bild nach Außen übertragen wird. 

Meist umfassen die Linien nur wenige Produkte. Dies ist ein weiterer Grund, warum große Firmen eher vor der Reduzierung zurückschrecken – es lässt sich damit nicht so viel Geld verdienen wie mit großen, allumfänglichen Serien. 

Viele verfügbare Produkte sind für eine sparsame Anwendung ausgelegt und werden nicht täglich verwendet. Umso wichtiger ist es dann, auch das persönliche Wohlbefinden zu fördern. Kleinere Unternehmen können hier freier agieren und Nebenprodukte anbieten, die die Anwendung der Kosmetika unterstützen – seien es Handtücher, Bürsten oder andere, teils Wellness-bezogene, Artikel. 

Man pflegt also nicht nur seine Haut sondern auch die Seele.


Zukunftsaussichten


Da die verkaufsstarken (Eigen-)Marken noch nicht dem „Less is more“-Konzept folgen, dürfte es vorerst noch nicht zu einen Wandel hin zur komplett minimalistischen Kosmetik kommen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass einzelne Kleinserien auf den Markt kommen und einem größeren Konsumentenkreis das neue Bewusstsein langsam vermitteln. 

Eine weitere Form minimalistischer Kosmetik ist „Clean Beauty“. Hier wird ebenfalls auf eine sorgfältige Auswahl an Rohstoffen geachtet, jedoch liegt hier der Fokus mehr auf Natürlichkeit der Rohstoffe und dem Umweltschutz. Mehr zu Clean Beauty können Sie in Kürze hier im Blog lesen.


 

Literaturangaben:

  1. www.tagesspiegel.de/wirtschaft/10-jahre-iphone-das-erste-smartphone-war-ein-nokia/19221898.html, abgerufen am 09.01.2020
  2. www.maclife.de/news/klar-einfach-apple-minimalismus-zukunft-gestaltet-10097805.html, abgerufen am 07.01.2020
  3. fiveskincare.de/blogs/tipps/30-20-oder-nur-5-wie-viele-inhaltsstoffe-braucht-kosmetik-heute, abgerufen am 07.01.2020
  4. bellevue.nzz.ch/mode-beauty/minimalistische-beauty-einfach-schoen-ld.1320559, abgerufen am 07.01.2020
  5. www.harpersbazaar.de/beauty/hautpflege-wenig-inhaltsstoffe, abgerufen am 09.01.2020
  6. www.faz.net/aktuell/stil/leib-seele/minimalist-beauty-der-trend-geht-zu-weniger-hautcreme-14620307.html, abgerufen am 08.01.2020

 

Blogautor Stubenvoll

Alexander Stubenvoll

Product & Sales Manager

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ich bin Alexander Stubenvoll und seit April 2017 bei der IMPAG in Deutschland als Product & Sales Manager angestellt. Ich bin Vater einer wunderbaren Tochter, zusammen mit meiner Frau verbringen wir die Freizeit gerne draußen.

Der Kontakt zu meinen Kunden sowie das Bearbeiten und Vorstellen von Trendthemen wie etwa dem Mikrobiom oder der Epigenetik sind ein für mich sehr wichtiger Aspekt meiner Arbeit. Ich freue mich auf interessante Blogbeiträge, Ihre Rückmeldungen und Kommentare.

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